STABIL ELITE

Pressefoto // Klick für Druckauflösung // Credit: Jan Thierhoff

Dieses Unbändige, Bodenlose, Bedingungslose im Tastenanschlag der Synthesizer und im Raunen der Bassläufe breitet sich aus wie ein sanfter Rausch: Ein Fließen und Überblenden von Tönen, die fluide Kurven bilden und künstliche Kanten finden. Perlen stoßen an Glas, sind Struktur und irrationales Treiben zugleich. Strenge wird zur Kontur, die das Haltlose rahmt. Inter-instrumentales Gleiten und Hard-Edge, das Echo einer Fantasie verschwimmt im Voranschreiten: “Spumante” ist ein Manifest gegen den Stillstand. “Was sind schon tausend Tage für einen Vollzug?” lautet eine Textzeile im Song “Alles wird gut”, simultan bitter und süß. Und soviel steht fest: Das zweite Doppel-Album von STABIL ELITE klingt positiv, synthetisch, rationalistisch – und sexy.
Da ist zunächst der westliche Hochmut (“Tief im Westen”) oder die Künstlichkeit des Lebens bei “Welt hinter Glas”, dem “Formula” das geistige Kapital entgegen setzt. “4D” erschließt sphärisch-räumlich ein Gelände der Vertrautheit und Fremde. “Jugend ohne Gott” vermittelt den schmalen Grat zwischen Nähe und Tod, dem Verlauf von Zeit und der Leichtigkeit des Seins im Vergessen des Zeitlichen. Die Doppelbödigkeit der Existenz mit der Frage des ‘Wohin?’ wird auch bei “Steppe” zum Sinnbild. “Zeitzonen” spricht als aeriale Ballade einen neuen Global-Existenzialismus aus. Freundschaft, Respekt und Liebe sind dabei wiederkehrende Themen des Albums: “<3” bringt dies als Liebeshymne in Shortcut-Formel auf den Punkt, während “Mellow” die kosmische Stärke und Zerbrechlichkeit des Verliebtseins ins Mondlicht setzt. Fernweh und räumliche Weite stecken immer wieder auch die drei instrumentalen Stücken “Fairlight CA”, “Pool” und “Embargo” ab, letzteres lässt die Aussicht auf die Fahrt in einen exotischen Sonnenuntergang durchschimmern.
Polaritäten und Gegensätze werden in seidige Melodien aus Gitarre, Klavier, Saxophon und Perkussion inmitten elektronischer Architekturen gebunden. So bezieht sich auch die Bar-Szene mit Neonschrift auf dem Plattencover, fotografiert im Düsseldorfer Schmela-Haus von dem Künstler Klaus Mettig, auf die Wechselseitigkeit von Öffentlichkeit und Intimität – nicht zuletzt auch das titelgebende Stück “Spumante”. Bewusste Künstlichkeit, Begeisterungs- und Feierlichkeit sowie aufgesetzte Privatheit begegnen sich in einem weichgezeichneten Schick. Düsseldorf, die Stadt, in der Stabil Elite lebt und ihre Musik produziert, scheint neonpink und grau. “Spumante” spiegelt dieses Colorit und bringt unter Rückbezug auf Reisen und kulturelle sowie sprachliche Besonderheiten, Film, Schauspiel, Literatur, Kunst und Technik einen vielschichtigen, reflektierten und mitreißenden Sound hervor.

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