NIELS FREVERT

Pressefoto // Klick für Druckauflösung // Credit: Benedikt Schnermann

Wenn im Club nach dem Konzert oder der Party die Neonröhren angehen und brutal auf alles scheinen, was nach dem Fest noch übrig ist, damit ein paar Tapfere den Dreck wegmachen und alles wieder einstöpseln können – das ist das Putzlicht. Im Putzlicht sieht nichts mehr schön aus. Im Putzlicht gibt’s kein Verstecken. Putzlicht tut weh. Bei Niels Frevert aber wird der luminöse Katerzustand zum Synonym fürs Weiter, für Wandel, Transformation und den Sieg über all den Scheiß, durch den wir uns ständig wühlen auf der Suche nach Glück. Davon handelt sein neues Album. Es ist sein bisher bestes – eine Neuerfindung, ein Geschenk und ein künstlerischer Triumph.

Nach seinem letzten, 2014 erschienenen, Album „Paradies der gefälschten Dinge“ muss irgendwas mit dem Mann passiert sein. Wir wissen nicht was, es geht uns auch nichts an, auf jeden Fall hat Frevert anderthalb Jahre lang keine Gitarre angerührt. Fünf Jahre später erscheint nun „Putzlicht“ und (fast) alles ist anders. Zuerst mal die Musik. Frevert hat das Korsett des Liedermachers abgestreift und seine neuen Songs – zusammen mit dem Produzenten Philipp Steinke (BOY, Revolverheld, Kettcar) – in einen großen, druckvollen, unaufgeregten und modernen Bandsound gegossen. Es gibt kaum noch Streicher, die Gitarren stehen unter Strom, alles ist offen und warm – Musik wie eine Umarmung, ein Sound, der einen auffängt, trägt und sanft nach vorne schiebt.

Niels Freverts sechstes Album ist einer dieser seltenen Glücksfälle, wenn ein Musiker an den Nullpunkt kommt, sich und seine Kunst neu erfinden muss und dabei etwas erschafft, das wie das Protokoll seiner Transformation und Auferstehung wirkt und von universeller Bedeutung ist. Alles, was Niels Frevert ausmacht, der Kern seiner Kunst, ist hier kondensiert zu etwas Neuem, Erhabenem von dunkel schimmerndem Glanz. Der ewige Geheimtipp und Kritikerliebling erstrahlt im Putzlicht heller denn je.

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